Recht & Praxis

Schulpflicht nach Bundesland: alle 16 Länder im Vergleich

Mit Kreide gemalte Deutschlandkarte mit 16 kleinen Schulhäusern

Schulpflicht ist in Deutschland Ländersache. Deshalb gibt es auf die Frage, wann sie beginnt und wie lange sie dauert, sechzehn Antworten. Diese Übersicht bringt sie auf eine Seite, mit Links zu den ausführlichen Beiträgen für jedes Bundesland.

Alle Angaben stammen aus den Landesschulgesetzen und den Seiten der Schulbehörden, Stand September 2026. Bitte lies das als Orientierung, keine Rechtsberatung. Die bundesweiten Grundlagen erklärt Schulpflicht in Deutschland.

Kurz gesagt: In allen 16 Bundesländern gilt die Schulpflicht als Präsenzpflicht. Sie beginnt mit etwa sechs Jahren, der Einschulungsstichtag liegt je nach Land zwischen Ende Juni und Ende September. Die Vollzeitschulpflicht dauert neun oder zehn Schuljahre, danach folgt meist eine Berufsschulpflicht. Bußgeldrahmen, Zuständigkeiten und Beurlaubungsregeln unterscheiden sich von Land zu Land.

Die Übersicht: Schulpflicht in allen 16 Bundesländern

LandBeginn / StichtagVollzeitschulpflichtBerufsschulpflichtBußgeld
Baden-Württemberg30. Juni9 Schuljahre (Verlängerung um 1 Jahr möglich)bis Ende der Ausbildungbis 1.000 € (OWiG-Rahmen)
Bayern30. Juni, Korridor bis 30. September9 Schuljahre (gesamt 12)bis 21 Jahre oder Ausbildungsendebis 1.000 € (OWiG-Rahmen)
Berlin30. September10 SchuljahreSek. II bis Ausbildungsendebis 2.500 €
Brandenburg30. September (Kann-Kinder bis 31. Dezember)10 Schuljahrebis Ausbildungsende, sonst bis 18bis 2.500 €
Bremen30. Junimind. 10 Schuljahre (gesamt 12)bis 18 Jahrebis 1.000 €, § 66 Strafnorm
Hamburg1. Juli11 Schulbesuchsjahre, längstens bis 18in den 11 Jahren enthaltenbis 1.000 € (OWiG-Rahmen), § 114 Strafnorm
Hessen30. Juni (Kann-Kinder auf Antrag)9 Schuljahre (Verlängerung möglich)für die Dauer der Ausbildungbis 1.000 € (OWiG-Rahmen), § 182 Strafnorm
Mecklenburg-Vorpommern30. Juni9 Schuljahrefür die Dauer der Ausbildungbis 2.500 €
Niedersachsen30. September, Korridor ab 1. Juli9 Schuljahre (gesamt 12)bis Ausbildungsendebis 1.000 € (OWiG-Rahmen)
Nordrhein-Westfalen30. September10 Schuljahre (G8-Gymnasium: 9)bis Ausbildungsende, sonst bis 18bis 1.000 € je Verstoß
Rheinland-Pfalz31. August9 Schuljahre (bis zu 2 Jahre Verlängerung)bis Ausbildungsende (max. 12 Schuljahre)bis 1.500 €
Saarland30. Juni9 Schuljahre (bis zu 2 Jahre Verlängerung)3 Jahre, bis 18 bzw. 21bis 1.000 € (OWiG-Rahmen), Strafnorm
Sachsen30. Juni9 Schuljahrein der Regel 3 Schuljahrebis 1.250 €
Sachsen-Anhalt30. Juni (Fünfjährige auf Antrag)mind. 9 Schuljahre (gesamt 12)für die Dauer der Ausbildungbis 1.000 €
Schleswig-Holstein30. Juni (keine Zurückstellung)9 Schuljahrebis Ausbildungsende (§ 23)bis 1.000 €
Thüringen1. August10 Schuljahrefür die Dauer der Ausbildungbis 1.500 €

Worin sich die Länder wirklich unterscheiden

Drei Punkte machen im Alltag den Unterschied. Erstens der Einschulungsstichtag: Er entscheidet, ob dein Kind mit fünf oder sechs Jahren eingeschult wird, und ob es Spielraum für eine spätere Einschulung gibt. Zweitens die Dauer: Neun oder zehn Jahre Vollzeitschulpflicht bedeuten ein Jahr mehr oder weniger Präsenz, bevor die Berufsschulpflicht greift. Drittens die Sanktionen: Die Bußgeldrahmen reichen von einigen hundert bis zu mehreren tausend Euro, und einige Länder sehen bei beharrlicher Verletzung strafrechtliche Folgen vor.

Sechzehn Gesetze, ein Prinzip: Gelernt wird an einer Schule. Wie viel Raum darin bleibt, ist Ländersache.

Was in allen Ländern gleich ist

Überall gilt: Die Schulpflicht wird durch den Besuch einer öffentlichen oder genehmigten freien Schule erfüllt. Überall gibt es zeitweise Beurlaubungen aus wichtigem Grund, meist entschieden von Klassenleitung oder Schulleitung. Und überall ist dauerhafter Unterricht zu Hause nur in eng begrenzten Ausnahmefällen mit Genehmigung möglich, wie Homeschooling in Deutschland erklärt. Freie Schulen sind in jedem Land ein legaler Weg zu anderem Lernen, siehe Was sind freie Schulen?.

Wenn du umziehst

Mit einem Umzug wechselt das Schulgesetz. Der Stichtag, die Dauer und die Beurlaubungsregeln des neuen Landes gelten ab dem Tag der Anmeldung. Kläre vor dem Umzug, welche Schule zuständig ist, und melde dein Kind zeitnah an. Wer über die Landesgrenze hinaus denkt, findet in Länder ohne Schulpflicht, wie andere Staaten das Thema regeln.

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Häufige Fragen

Ist die Schulpflicht in allen Bundesländern gleich? +
Der Kern ist gleich: Kinder erfüllen die Schulpflicht durch den Besuch einer Schule. Dauer, Einschulungsstichtag, Berufsschulpflicht, Zuständigkeiten und Bußgeldrahmen legt aber jedes Bundesland in seinem eigenen Schulgesetz fest.
Wie lange dauert die Schulpflicht in Deutschland? +
Je nach Bundesland neun oder zehn Schuljahre Vollzeitschulpflicht, danach in der Regel eine Berufsschulpflicht bis zum Ende der Ausbildung oder bis zu einem bestimmten Alter. Die genauen Werte je Land stehen in der Tabelle.
Welches Bundesland hat die längste Schulpflicht? +
Das hängt davon ab, ob man Vollzeit- und Berufsschulpflicht zusammenrechnet. Die Tabelle zeigt beide Werte je Land, damit du deinen Wohnort direkt vergleichen kannst. Eine Einordnung mit typischen Fällen gibt Wie lange dauert die Schulpflicht?.
Gilt die Schulpflicht auch bei Umzug in ein anderes Bundesland? +
Ja. Mit dem Umzug gilt das Schulgesetz des neuen Bundeslands, inklusive dessen Regeln zu Dauer, Stichtag und Beurlaubung. Melde dein Kind zeitnah an einer Schule am neuen Wohnort an.
Geschrieben von Stefanie & Björn Fischer. Mit ihrem Projekt „School R-Evolution“ begleiten sie Familien auf dem Weg zu freier, selbstbestimmter Bildung. Weitere Artikel